Leserbrief von Roland Maier, Gäubote Herrenberg den 27.06.2025

Betrifft: Bürgerentscheid zum Thema Windkraft in Herrenberg.

"Völlig illusorischer Ertrag pro Anlage"

Ich muss voranschicken, dass ich kein Windkraftgegner bin. Ich bin seit über 30 Jahren bis heute in der Windkraft engagiert. Allerdings nur dort, wo es wirklich Sinn macht und nicht im Schwachwindgebiet Süddeutschland, wo Windkraft nur durch massivste Subventionen wirtschaftlich betrieben werden kann und man 300 Meter hohe Anlagen braucht, um relativ wenig Energie zu erzeugen. Die Übersubventionierung zahlen wir alle. Allein das Erneuerbare-Energien-Gesetz belastete den Steuerzahler 2024 mit fast 20 Milliarden Euro, der Netzausbau und der Bau von Speichern verbraucht (siehe Jettingen) große Ackerflächen und weitere Hunderte Milliarden Euro.

Mit dem Ergebnis, dass sowohl die privaten Verbraucher als auch die Wirtschaft extrem hohe Strompreise bezahlen müssen, was zum Beispiel zur Abwanderung energieintensiver Firmen führt.

Windkraft im Schwachwindgebiet ist volkswirtschaftlicher Irrsinn und wegen der Schädigung unserer Wälder eine ökologische Sünde. Windenergie zu ernten macht nur da Sinn, wo es auch ausreichend Wind gibt.

Nun zu Herrenberg. Meiner Meinung nach hat Prokon den Zuschlag im Interessensbekundungsverfahren nur dadurch erhalten, da sie mit 6,7 Metern pro Sekunde ein viel zu hohes Windangebot angenommen hat. Die Stadtwerke Stuttgart haben in Jettingen nur 5,84 Meter pro Sekunde gemessen. Prokon rechnet deshalb mit einem illusorischen Ertrag pro Anlage von 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, während die Stadtwerke Stuttgart nur von 13,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr ausgehen und das bei gleichen Anlagen. Deshalb haben uns die Stadtwerke auch nur ein Sechstel der Pacht von Prokon angeboten.

Die Empfehlung für Prokon durch die Kommunalberatung Rheinland-Pfalz, auf die sich die Verwaltung verlassen hat, ist vollkommen wertlos, weil das dem Angebot zugrundeliegende Windangebot nicht hinterfragt wurde. Dass Prokon plötzlich statt der im Angebot versprochenen Mindestpacht von 2,2 Millionen Euro jetzt nur noch von 1,75 Millionen Mindestpacht spricht, sollte uns zu denken geben. Ich fürchte, dass es im Lauf des Verfahrens noch deutlich weniger wird. Stand heute haben wir keine bankgarantierte Mindestpacht. Anderslautende Aussagen sind falsch.

Jeder Bürger muss für sich abwägen, ob er bereit ist, für relativ wenig Ertrag unseren Spitalwald zu opfern.

Was dem Wald droht, kann jeder oberhalb von Calmbach besichtigen, wo für zwei kleinere Anlagen als bei uns kilometerlange Schneisen mit bis zu 25 Metern Breite in den Wald geschlagen wurden.

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