Bürgerdialog zum Thema Windkraft mit Vortrag von Hansjörg Jung

Am vergangenen Dienstag lud die Bürgerinitiative Wildberg ein zum Bürgerdialog zum Thema Windkraft. Konkret ging es um den Windpark Lindenrain, welcher von den Städten Calw, Wildberg und der Gemeinde Gechingen gemeinsam geplant wird.

 

Zu Beginn des Abends begrüßte Max Baumgartner im Namen der Bürgerinitiative Wildberg die Gäste und stellte die Bürgerinitiative und die Beweggründe der Mitglieder die zur Gründung der Bürgerinitiative geführt haben kurz vor.

 

Die Anliegen der Bürgerinitiative sind der Naturschutz, der Erhalt des Waldes als Rückzugsort für heimische Wildtiere und des Landschaftsbildes sowie der Kulturlandschaft als Naherholungsgebiet für die Bürger. “Unsere Heimat wie wir sie lieben soll nicht geopfert werden für den Bau von im windschwachen Baden-Württemberg völlig ineffizienten Windenergieanlagen“ so Baumgartner von der Bürgerinitiative Wildberg. Auch wenn die klammen Kassen der beteiligten Gemeinden auf entsprechende Pachterträge hoffen sei die Frage erlaubt, welcher Preis wird dafür gezahlt??? Was sind die gesundheitlichen Risiken durch Schall und Infraschall (Beispiel Baiereck)? Was, wenn so ein Windrad brennt? Wie hoch ist der Wertverlust der Immobilien? Wie ist der emotionale Verlust der Lebensqualität zu bewerten? Wie sieht es im Falle einer Insolvenz des Betreibers finanziell für die Stadt Wildberg aus, auf deren Grund und Boden die Windkraftanlagen stehen - in Bezug auf nicht ausreichende Rücklagen für Schadensereignisse oder für einen späteren Rückbau der Windkraftanlagen? Und ist es Zufall, dass die Anträge noch kurz vor Ablauf des beschleunigten Genehmigungsverfahrens nach §6 WindBG eingereicht wurden? Baumgartner kritisiert, dass Betreiber ihre Gutachten selbst erstellen oder beauftragen – ohne staatliche Kontrolle, Nachweise oder Haftung. Dadurch sieht er die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit gefährdet.

 

„Was bleibt, sind ökologische Eingriffe, gesundheitliche Belastungen und unkalkulierbare Kosten. Die versprochenen Vorteile stehen dazu in keinem ausgewogenen Verhältnis.“

Dann startete der Hauptteil des Abends mit dem Vortrag von Hansjörg Jung der sich seit 12 Jahren intensiv mit den ökologischen und sozioökonomischen (also der Verbindung von sozialen und wirtschaftlichen) Aspekten und den Risiken der unkontrollierten Ausweitung der Windenergie befasst. Außerdem setzt sich Hansjörg Jung für den Artenschutz ein. Im 2-stündigen Vortrag gab es für die Zuhörer Interessantes zu viel diskutierten aber auch zu den weniger bekannten Thematiken der Windenergie zu erfahren.

 

Windkraft ja, wenn genügend Wind weht

 

Der Einstieg in den Vortrag war der europäische Windatlas und die Feststellung, dass BadenWürttemberg im europäischen Vergleich eine sehr windarme Region ist – was die Region für den Bau von Windkraftanlagen eher unattraktiv macht. Trotzdem beschloss die Landesregierung im Mai 2012 Baden-Württemberg zum „Windenergieland“ zu machen. Um Planung, Bau und den Betrieb der Windparks attraktiv zu machen, werden hier entsprechende Subventionen für den Bau und auch für garantierte Einspeisevergütungen inkl. „Südbonus“ nach §36h EEG 2023 an Investoren und Betreiber bezahlt.

 

Im Windatlas 2019 finden sich durch den neuen Kennwert der „mittleren gekappten Windleistungsdichte“ plötzlich weit mehr Potenzialflächen für Windenergie als noch in der Vorgänger Version. Die Realität sieht wie am Beispiel des Windparks Goldboden (Winterbach im Remstal) zu sehen ist leider oft anders aus. Die mittlere gekappte Windleistungsdichte lt. Windatlas liegt bei 238,44 W/m², die Mindestempfehlung wurde mit 215 W/m² genannt – in der Realität beträgt die mittlere Windleistungsdichte nur 142 bis 158 W/m².

 

Windkraftanlagen werden speziell in Baden-Württemberg ihre Nennleistung bei weitem nicht erreichen können – hinzu kommen Netzproblematiken durch Flatterstrom, Dunkelflauten und Hellbrisen. Durch Windräder wird die Stromversorgungsproblematik nicht gelöst, sondern verschärft. Durch die Volatilität bei Wind- und Sonnenenergie müssen immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke als Back-up oder auch Ergänzungskraftwerke bereitgehalten werden.

 

Wir retten nicht das Weltklima, wenn wir unser Land ruinieren

 

Vor diesem Hintergrund gelten die Aussagen von Sigmar Gabriel am 17.4.2014 vor Vertretern der Wirtschaft und SPD-Spitzen „Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern ist“ und „Die Wahrheit ist, dass wir auf allen Feldern die Komplexität der Energiewende unterschätzt haben“ heute mehr denn je.

 

Bezüglich des Artenschutzes bemängelt Herr Jung in seinem Vortrag, dass Baden-Württemberg in den Abstandsregelungen zum Nachteil des Artenschutzes vom „Helgoländer Papier“ abweicht und nach §6 WindBG keine Umweltverträglichkeitsprüfung und keine Artenschutzprüfung mehr vorgesehen ist. Was als besonders kritisch zu sehen ist, da z.B. 60 % des weltweiten Vorkommens des Rotmilans in Deutschland zu finden ist, und davon wiederum 70% in Baden-Württemberg. Im System der Artenschutzgutachten gibt es erhebliche Mängel. So fehlt hier eine staatliche Kontrolle, für die Gutachter besteht kein Qualifizierungsnachweis, es werden eine Vielzahl an Gefälligkeitsgutachten erstellt und Gutachter haben keinerlei Haftung zu übernehmen.

 

 

 

Was bedeuten Bau, Betrieb und Rückbau für die Hydrologie (Wasserkreislauf) – speziell in Wasserschutzgebieten

 

Bau und Rückbau von Windkraftanlagen bedeuten Großbaustellen im Wald mit den entsprechenden Zuwegungen. Waldrodung, LKWs, Baufahrzeuge und Schwerlastkrane im Wald bedeuten Gefahr für das Grundwasser durch auslaufenden Diesel, Hydrauliköl und andere wassergefährdende Stoffen.

 

Die nicht unerheblichen Flächenversiegelungen und verdichteten Flächen führen zu veränderten Wasserabflußprozessen, zu höheren Bodentemperaturen, mehr Verdunstung und somit zu erheblichen Störungen im Mikroklima Wald.

 

Schranken und Ampeln im Wald

 

Aufgrund der Eiswurfgefahr sind in Lagen über 400 m entsprechende Warnanlagen anzubringen – daher wird man sich an Schranken oder Lichtzeichenanlagen sowie Verlegungen oder Sperrungen von Wander- und Laufwegen im Wald einstellen müssen.

 

Unfallgefahr

 

Mit durchschnittlich zehn Ereignissen pro Jahr sind Brände von Windkraftanlagen zum Glück eher selten – aber dafür in der Auswirkung für die betroffene Region katastrophal. Löschen ist unmöglich – beim kontrollierten Abbrennen werden Unmengen giftiger und umweltschädlicher Gefahrenstoffe sowie fiese Fasern (lungengängiges Material, welches über die Haut in den Körper gelangt) freigesetzt, die über die Luft in den menschlichen Körper, sowie auf Felder und ins Grundwasser gelangen. Weitere Ereignisse sind umstürzende Windräder (Sept 2021 Haltern am See, 2023 Gescher NRW) oder abbrechende Rotorflügel (Feb 2024 Dornstadt-Temmenhausen). Neben der Verletzungsgefahr findet auch hier eine massive Verschmutzung der Umgebung durch Mikroplastik sowie Carbon- und Glasfaserpartikel statt.

 

Gesundheitsrisiken durch Schall und Infraschall

 

Trotz gesetzlicher Grenzwerte kommt es wie im Beispiel Baiereck zu massiver Lärmbelästigung und Beeinträchtigung der Lebensqualität durch hörbare tiefe Brummtöne.

 

Infraschall ist Luftdruck – nicht hörbar, aber wahrnehmbar und Ursache für viele gesundheitliche Probleme, von Müdigkeit und Kopfschmerzen über Konzentrations- und Schlafstörungen bis hin zu Depressionen.

 

 

Zum Ende des Abends war nach Abschluss des Vortrages noch Zeit für Fragen aus den Reihen der Zuhörer. Hier kam es zu regem Austausch bezüglich der Fragen, wo denn der Strom in Zukunft herkommen soll und ob Windkraftkritiker denn automatisch Atomkraftbefürworter sind. Ein Zuhörer berichtet von glücklichen Anwohnern im Hunsrück und einer blühenden Wirtschaft dank der dortigen Windräder. Das sind nach Internetrecherche im 991 km² großen Rhein-Hunsrück-Kreis stolze 279 Windräder. Das muss man wollen - Studien zur Auswirkung von Windparks auf Tourismus bestätigen stark rückläufige Zahlen an Tages- und Übernachtungsgästen. Stellt sich die Frage bezüglich der Lebensqualität unter Windrädern.

 

Die Bürgerinitiative Wildberg bedankt sich bei den Zuhörern für das Interesse sowie die Unterstützung der Initiative. Ein besonderer Dank geht an Hansjörg Jung für sein Engagement und den informativen Vortrag.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.